Auch wenn man leicht den Eindruck gewinnen kann, dass man es in Frankreich mit Verkehrsregeln nicht so genau nimmt, so sollte man sich doch peinlich genau daran halten. Dies gilt vor allem für Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen und Autobahnen. Die französische Gendarmerie steht gleich am Straßenrand und kassiert bei Verstößen jeglicher Art ein beträchtliches Sümmchen. Gelb markierte Bordsteine zeigen Parkverbot an, zusätzliche Schilder sucht man meist vergeblich. Im Bahnverkehr muss übrigens seit kurzem jeder Koffer einen Adressanhänger tragen.
Bei geschäftlichen Besprechungen ist es dem Franzosen wichtig, sein Gegenüber erst einmal zu „beschnuppern“. Dies geschieht am liebsten bei einem Essen. Man macht zunächst Konversation, zum Beispiel über kulturelle Themen. Frühestens bei der Nachspeise kommt man dann zum Punkt.
Besonders bei Diskussionen wird sehr deutlich, dass die Franzosen ein eher südländisches Gesprächsverhalten pflegen. Man gestikuliert viel, spricht im Eifer des Gefechts auch mal etwas lauter und findet es nicht besonders unhöflich, dem anderen ins Wort zu Fallen. Wenn man als Ausländer sein Anliegen vorbringen will, kommt man meist nicht umhin, ebenfalls einfach dazwischen zu reden.
Insbesondere im geschäftlichen Umfeld sollte man nicht nur auf seinen Kleidungsstil achten, sondern auch eine gewisse Haltung wahren. Einen Fuß auf das andere Knie zu legen oder sich allzu entspannt zurück zu lehnen gilt als flegelhaft.
Mit Kritik oder Ablehnung geht man in Frankreich vorsichtiger um als bei uns. Ist man mit einem Vorschlag absolut nicht einverstanden, so formuliert man dies am liebsten sehr ausweichend. Man schätzt es auch nicht, wenn einem jemand (vor allem ein Ausländer) allzu ungeniert die Meinung sagt.
Wenn Sie zu einer französischen Familie nach Hause eingeladen werden (was ein großes Privileg ist!), kommen Sie am besten nicht überpünktlich. Eine Verspätung von rund einer Viertelstunde wird einkalkuliert.
Als Gastgeschenk eignet sich am besten etwas Ess- oder Trinkbares. Optimal ist natürlich eine Spezialität, die typisch für Ihre Region ist und die man dann natürlich noch nett verpackt.
Die korrekte Begrüßung lautet tagsüber „Bonjour, madame!“ (gegenüber einer Frau), ab dem frühen Abend „Bonsoir, monsieur!“ (gegenüber einem Mann). Ohne die angehängte Anrede „monsieur“, „madame“ oder „mademoiselle“ wirkt der Gruß etwas kurz angebunden und unter Umständen leicht unhöflich. In Frankreich reicht man sich zur Begrüßung nicht so häufig die Hand wie bei uns.
Wenn man auf Französisch oder Deutsch kommuniziert, stellt sich die Frage, ob man sein Gegenüber mit „Sie“ („vous“) oder mit „du“ („tu“) anspricht. Die Antwort darauf ist ziemlich einfach: Franzosen sind auf diesem Gebiet sehr förmlich. Die Duzkultur, die bei uns immer mehr um sich greift, gibt es in Frankreich nicht. Selbst junge Leute siezen sich häufig. Nur Freunde duzen sich untereinander.
Das Küssen, das man sehr oft beobachten kann, ist eine Geste, die engen Bekannten, Freunden und Verwandten vorbehalten ist. Als oberflächlicher Bekannter hält man sich am besten zurück. Sobald Sie jedoch den Status eines Freundes erreicht haben, werden Sie mit einbezogen und man erwartet von Ihnen die Einhaltung gewisser Regeln. Männer küssen sich untereinander nur, wenn sie ein sehr enges Verhältnis haben. Ansonsten findet diese Freundschaftsgeste regen Gebrauch. Das Küssen selbst ist stark ritualisiert. Man küsst nicht einfach drauf los. Vielmehr legt man zuerst die rechte Wange an die Wange des Gegenübers, dann die linke. Begleitet wird das Ganze von einem typischen Küssgeräusch, es handelt sich aber dennoch nur um eine leichte Berührung und nicht um einen dicken „Schmatz“ auf die Wange.
Tipp: Der Franzose an sich ist eher Individualist. Das bedeutet aber nicht, dass er völlig unzugänglich ist. Besonders in der französischen Provinz (alles ist Provinz, außer Paris!) ist man zudem meist auch sehr höflich. Suchen Sie sich also einige Gruß- und Dankesformeln usw. aus dem Sprachführer heraus und geizen Sie nicht damit. Ihr Ansehen wird enorm steigen und Sie können zudem die Chance nutzen, das Bild des leicht distanzierten, kühlen Deutschen aufzupolieren.